The Great Stagnation

Thema Nummer 1 in der amerikanischen Economics Blogger Szene ist seit zehn Tagen Tyler Cowens neues eBook ‘The Great Stagnation’ mit folgender Hauptthese:

We have been living off low-hanging fruit for at least three hundred years. We have built social and economic institutions on the expectation of a lot of low-hanging fruit, but that fruit is mostly gone.

Insbesondere sieht Cowen drei Arten von einfach zu erntenden, niedrig hängenden Früchten in der Vergangenheit:  kostenloser, hochwertiger Grund und Boden, technologischer Durchbruch in vielen Bereichen (z.B. Elektrizität, Massenproduktion, Verbrenuungsmotoren, pharmazeutische Artikel), und Zugang zu Bildung für die breite Masse der Bevölkerung. Diese niedrig hängenden Früchte sind aber seit einigen Jahrzehnten abgeerntet, und die gewohnten Wachstumsraten somit viel schwerer zu erreichen. Viele Innovationen in der Periode der ‘Low Hanging Fruit’ kamen der gesamten Bevölkerung zugute, während heutige Innovationen eher kleinen Gruppen zugute kommen. Die einzige große Innovation der letzten Jahrzehnte, das Internet, hat weder viele Arbeitsplätze noch viel Einkommen geschaffen. (Diese Behauptung werde ich in einem späteren Beitrag noch diskutieren.)

Dieser Mangel an maßgeblichen Innovationen erklärt nach Cowen das langsame Wachstum des realen Einkommens einer US-Medianfamilie seit Anfang der 1970er Jahre, und stellt uns nun nach Cowen vor massive Probleme, denn unsere Erwartungen basieren auf den hohen historischen Wachstumsraten der Zeit der niedrig hängenden Früchte. Mit dieser Diskrepanz zwischen Erwartungen und heutigen Möglichkeiten erklärt Cowen fast alle Probleme auf der Welt, sei es die Überschuldung von öffentlichen und privaten Haushalten, den Zustand der (amerikanischen) Politik, und die globale Finanzkrise.

Momentan nur soviel:
1. Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert. Cowen diskutiert eine Menge interessanter Aspekte über Innovation, Staatstätigkeit, Gesundheitswesen, Messung des BIP, das Internet etc. Dazu ist es gut geschrieben, kurz (ca. eine Stunde Lesezeit) und günstig (US$6).
2. Aus gutem Grund hat schon Goethes Faust seine Weltformel trotz hohen Einsatzes nicht gefunden. Ich bin immer skeptisch gegenüber DER einzelnen Erklärung für große Veränderungen. Die Welt ist und bleibt ein kompliziertes System.
3. Cowen versucht, auch die Finanzkrise und die gegenwärtige US-Rezession durch sein Modell zu erklären. Das weckt in mir den Verdacht, dass die Stagnationstheorie eine Modeerscheinung ist. Die heutige Zeit hat einige Parallelen zu den 1970er Jahren. Damals war die Lage auch eher von Wachstumsskepsis und Zukunftsangst geprägt, und es erschienen Mengen an Büchern, die den bevorstehenden Weltuntergang erklärten. Bis heute haben sich alle als falsch herausgestellt.
4. Ich denke, dass zufriedenstellende Wachstumsraten auch durch Profitieren vom aufholenden Wachstum (‘catch-up growth’) in China, Indien etc. und einem gleichzeitigen Strom kontinuierlicher kleinerer Innovationen erreichbar sind. Mir fehlt der Doktortitel in VWL, deswegen mag das fachlich falsch sein.

Fazit: Kauft Euch das Buch. (Falls es technische Probleme gibt: das funktionierte bei mir via Kindle Store und Kindle App auf dem iPhone.) Ob es allerdings die Welt erklärt, diese Meinung müsst Ihr Euch selber bilden. Ich werde in den nächsten Tagen noch ein paar Mal zu spezifischen Themen des Buches posten.

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s