Nordkorea schlägt Luxemburg

Zumindest nach der Logik des SPIEGEL Online Berichts ‘Japan gibt sich im Wettkampf mit China geschlagen’ ist das der Fall, denn Nordkorea hatte 2008 ein BIP von ca. 40 Milliarden Dollar, während Luxemburg es nur auf 38, 4 Milliarden bringt (Vergleich von Purchasing Power Parity, nicht nominal). Es sollte eigentlich klar ersichtlich sein, dass dieser Vergleich total irrelevant ist, da Nordkorea ca. 24 Millionen sehr arme Einwohner hat, und Luxemburg ca. 500.000 sehr reiche. Der wirtschaftliche Sachverstand der SPIEGEL Online Redaktion reicht für solche eine Überlegung aber scheinbar nicht aus. Jeder der etwa 1,34 Milliarden Chinesen erwirtschaftet inzwischen etwas mehr als ein El Salvadorianer, aber immer noch um den Faktor 10 weniger als jeder der etwa 127 Millionen Japaner.

Die gewählte Überschrift weist allerdings nicht nur auf eine Rechenschwäche hin, sondern auf ein fehlendes Grundverständnis wirtschaftlicher Prozesse. Der im Text zitierte japanische Wirtschaftsminister beweist glücklicherweise größeren Sachverstand:

Japan begrüßte Chinas Aufstieg. Die wirtschaftliche Entwicklung des Nachbarlandes sei wichtig für die gesamte Region, sagte der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Kaoru Yosano. Es gehe nicht um das Wetteifern um Platzierungen auf Ranglisten, sondern um das Wohl der Menschen. In diesem Sinne sei Japan über Chinas wirtschaftlichen Fortschritt als Nachbarstaat erfreut.

Gewinner-und-Verlierer-Metaphern aus dem Sport sind in wirtschaftlichen Vergleichen zwischen Ländern total unangebracht. Denn die internationale Wirtschaft ist das Gegenteil eines Nullsummenspiels: Wenn die Chinesen mehr erwirtschaften, tun sie das eben gerade nicht auf Kosten der Japaner. Im Gegenteil: reichere Chinesen vergrößern den Markt für japanische Produkte, chinesische Produkte vergrößern die Auswahlmöglichkeiten für japanische Konsumenten, und mehr chinesische Wissenschaftler schaffen Innovationen, die auch japanische Probleme lösen.

Eigentlich müsste ich jetzt noch auf die unsinnige Erklärung der Entwicklung von chinesischen Exporten und Importen im letzten Abschnitt des Artikels eingehen, aber dafür reicht der Platz hier nicht aus. Ich bin mir sicher, die SPIEGEL Online Redaktion bietet mir bald wieder Gelegenheit dazu.

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s