Lord Wolfson wird sein Geld behalten

Vor einer Woche hat Lord Wolfson den Wolfson Economics Prize gestiftet:

The world’s economists were challenged to answer the question of how to manage the orderly exit of one or more member states from the European Monetary Union by a new Economics Prize worth £250,000 (€286,000) launched today (19th October, 2011).

Lord Wolfson will mit dem Preis eigentlich nur darauf aufmerksam machen, dass die von ihm gestellte Aufgabe unlösbar ist, und er als konservativer britischer Euroskeptiker schon immer recht hatte. Warum das so ist, erklärt Tim Harford anschaulicher, als ich es je könnte:

Lord Wolfson is offering a prize for turning an omelette back into its constituent parts.

In gewohnter Weise diskutieren weite Teile der deutschsprachigen Presselandschaft oder deutsche Blogs die Beweggründe des Lords nicht, sondern übernehmen einfach die dpa-Meldung zur Sache oder diskutieren oberflächlich in ernsthafter Weise, wie eine Lösung aussehen könnte.

Auch Tyler Cowens Beschreibung, wie ein Land den Ausstieg bewältigen könnte, greift hier zu kurz. Sicher, die von ihm beschriebenen sechs Schritte könnten einmal funktionieren. Wenn wir davon ausgehen, dass Italien und Spanien diesen Schritt nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, wäre die Vorgehensweise wohl am ehesten für Irland sinnvoll, weniger für Portugal oder Griechenland. Letztere sind wegen primärer Defizite und fehlender internationaler Wettbewerbsfähigkeit auch nach Abwertung und Schuldenschnitt wohl langfristig am Tropf der EU besser aufgehoben.

Aber Cowens Plan macht nur in einer statischen Welt Sinn, nicht dagegen in einer dynamischen: Sofort nach Irlands überraschender Ankündigung des freiwilligen Euroaustritts wäre Italien, Spanien, und wohl auch Frankreich der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten verwehrt, die Interbankenfinanzierung in Europa würde völlig zusammenbrechen, und aus dem seit Monaten andauernden ‘silent bank run’ würde ein ohrenbetäubender werden. Ein ‘orderly exit’ wie von Lord Wolfson gefordert, sieht anders aus.

Wie es danach in Europa weitergehen würde, vermag ich momentan nicht zu prognostizieren. Aber ich gehe jede Wette ein, dass Lord Wolfson sein Preisgeld behalten kann.

 

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