Spielbericht: Rainer Franzke – Watson 0:2

In RAM beschreiben Brynjolfsson und McAfee am Beispiel von Baseball, dass sich Spielberichte im Sportjournalismus relativ gut automatisieren lassen. Man stellt einer Software die Hauptstatistiken eines Spiels zur Verfügung, und diese baut Textbausteine darum. Das funktioniert, weil Sportjournalismus sich oft der gleichen Standardphrasen bedient: Mannschaft A war drückend überlegen, Spieler B ragte heraus, Spieler C sah die 5. gelbe Karte und muss gegen den nächsten Gegner pausieren etc.

Nach Lektüre des Interviews von Rainer Franzke mit Dr. Theo Zwanziger im kicker vom Donnerstag bin ich der festen Überzeugung, dass diese Aussage nicht nur auf Spielberichte zutrifft, sondern dass ein entsprechend programmierter Watson einfach der bessere Sportjournalist als Herr Franzke wäre.

Watson hätte die folgende Aussage zum Kempter-Amerell-Schiedsrichterskandal sicher nicht einfach stehen lassen und wäre zum nächsten Thema übergegangen:

kicker: Haben Sie einen Lösungsvorschlag zur Beendigung dieser unappetitlichen Affäre?
Zwanziger: Solange die unsinnigsten Beschuldigungen in dieser Sache durch einige Medien immer wieder verbreitet werden, egal ob gegen den DFB oder mich persönlich, bleibt dieser Fall öffentlich. Aber wir sind ja alle stolz auf die Freiheit der Meinungsäußerung und die Pressefreiheit in unserem Land.

Watson hätte gewusst, dass Dr. Zwanziger in dieser Sache unglaubliche Aussagen getätigt hat, welche die Mißbrauchsopfer der katholischen Kirche diffarmieren, und die ihm in der ersten Instanz von einem Gericht untersagt wurden. Watson hätte gewusst, dass Zwanziger als Jurist bezüglich Amerell die Grundregel ‘Im Zweifel für den Angeklagten’ missachtet hat. Und Watson hätte gewusst, dass Zwanziger als überaus eitler Zeitgenosse gilt, der missliebige Journalisten verfolgt und auch der Kanzlerin gerne ungefragt Ratschläge erteilt. Also wäre Watsons nächste Frage vielleicht gewesen: “Herr Dr. Zwanziger, Sie haben also in dieser Sache alles richtig gemacht?”

Aber vielleicht tue ich Herrn Franzke auch Unrecht. Watson hätte wahrscheinlich kein zweites Interview mit Herrn Zwanziger bekommen, und Herr Franzke braucht den Zugang zum DFB für seine Arbeit. Allerdings sollte er sich dann nicht Journalist, sondern Hofberichterstatter nennen.

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