Falsche Bescheidenheit?

Wenn man sich zu schwache Gegner aussucht, ist das eigentlich ein Eingeständnis eigener Schwäche. Dieses Risiko eines falschen Signals gehe ich heute aber gerne ein, um wieder einmal auf den hervorragenden wirtschaftlichen Sachverstand der SPIEGEL Online Redaktion hinzuweisen. Es geht um eines der wichtigsten ökonomischen Themen unserer Zeit, die stagnierenden Reallöhne der Mehrheit der Bevölkerung. Viele Ökonomen (und Nicht-Ökonomen) treibt dieses Thema momentan um. Erklärungsansätze sind etwa zu wenig Innovationzuviel Innovation, oder aber die Korrumpierung der Politik durch die ‘Oligarchen’ (1%), die ihr Geld nutzen, um die Regeln zu ihren Gunsten zu beinflussen, und ihren Reichtum auf Kosten des Rests der Bevölkerung (99%) zu mehren. Dazu gibt es noch Stimmen, welche die Validität der zugrundeliegenden Daten in Frage stellen. Bis heute dachte ich, dass alle diese Erklärungsansätze ihre Berechtigung haben, aber SPIEGEL Online zeigt, dass die Sachlage doch viel simpler ist. Zumindest für Deutschland im letzten Jahrzehnt:

Entscheidend sei gewesen, “dass es flächendeckend zu keinen Lohnanhebungen kam”. Anders gesagt: Die Arbeitgeber waren zu knauserig, die Beschäftigten zu bescheiden.

Ach so. Die Reallöhne steigen nicht, weil es keine Lohnsteigerungen gab. Das ist einleuchtend.  Und der zweite Satz macht auch die Lösung des Problems simpel: Also liebe Arbeitnehmer, legt doch mal Eure falsche Bescheidenheit ab!

 

PS: Ein weiteres Beispiel für den großen ökonomischen Sachverstand der deutschen Presse stellt dieser Post von kantoos dar, dem ich nur in vollem Maße zustimmen kann.

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