Occupy Gerhart-Hauptmann-Platz?!

Die richtigen Worte sind ja von Joachim Gauck schon vor einigen Tagen gewählt worden. Allerdings werden in diesen Tagen zu 99,9% die falschen Worte gewählt, deswegen eine Würdigung von Sigmar Gabriels Plan zur Bankenverstaatlichung an dieser Stelle: Super Idee! Dann wären alle Banken so sicher, so gut geführt, und mit so kompetenten Aufsichtsräten ausgestattet wie z.B. die BayernLB, Die HSH Nordbank oder die WestLB. Das Geld des Steuerzahlers wäre bombensicher – oder hat jemand schon einmal von einer Finanzkrise in der DDR gehört? Und dort waren ja alle Banken staatlich!

Verstehen Sie mich nicht falsch: Man sollte gegen einige, oder vielleicht sogar viele, Aspekte des finanzindustriell-politischen Komplexes protestieren, aber der momentane Mix aus Populismus und Unverständnis geht mir einfach wahnsinnig auf die Nerven. Mann muss  erst einmal verstehen, gegen oder für was man eigentlich ist. Wenn Leute eine Zeltstadt vor der HSH Nordbank aufstellen, um gegen den Kapitalismus zu demonstrieren, und die Ironie ihres Tuns nicht erkennen, dann sollten sie ihre Zeit einfach besser nutzen.

Obiges Bild von den Occupy Wallstreet Protesten in New York macht gerade im Internet die Runde (via Chis Blattman). Wer versteht, wovon Caitlin Currans Plakat spricht, der darf gerne nächsten Samstag wieder zur Demo gehen. Alle anderen sollten zuhause bleiben und sich erstmal einlesen. Ich empfehle etwa Michael Lewis oder Russ Roberts zur Krise im amerikanischen Hypothekenmarkt, oder James Buchanan und Richard Wagner zu den theoretischen Ursprüngen der Staatschuldenkrise in den USA und Europa.

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Nordkorea schlägt Luxemburg

Zumindest nach der Logik des SPIEGEL Online Berichts ‘Japan gibt sich im Wettkampf mit China geschlagen’ ist das der Fall, denn Nordkorea hatte 2008 ein BIP von ca. 40 Milliarden Dollar, während Luxemburg es nur auf 38, 4 Milliarden bringt (Vergleich von Purchasing Power Parity, nicht nominal). Es sollte eigentlich klar ersichtlich sein, dass dieser Vergleich total irrelevant ist, da Nordkorea ca. 24 Millionen sehr arme Einwohner hat, und Luxemburg ca. 500.000 sehr reiche. Der wirtschaftliche Sachverstand der SPIEGEL Online Redaktion reicht für solche eine Überlegung aber scheinbar nicht aus. Jeder der etwa 1,34 Milliarden Chinesen erwirtschaftet inzwischen etwas mehr als ein El Salvadorianer, aber immer noch um den Faktor 10 weniger als jeder der etwa 127 Millionen Japaner.

Die gewählte Überschrift weist allerdings nicht nur auf eine Rechenschwäche hin, sondern auf ein fehlendes Grundverständnis wirtschaftlicher Prozesse. Der im Text zitierte japanische Wirtschaftsminister beweist glücklicherweise größeren Sachverstand:

Japan begrüßte Chinas Aufstieg. Die wirtschaftliche Entwicklung des Nachbarlandes sei wichtig für die gesamte Region, sagte der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Kaoru Yosano. Es gehe nicht um das Wetteifern um Platzierungen auf Ranglisten, sondern um das Wohl der Menschen. In diesem Sinne sei Japan über Chinas wirtschaftlichen Fortschritt als Nachbarstaat erfreut.

Gewinner-und-Verlierer-Metaphern aus dem Sport sind in wirtschaftlichen Vergleichen zwischen Ländern total unangebracht. Denn die internationale Wirtschaft ist das Gegenteil eines Nullsummenspiels: Wenn die Chinesen mehr erwirtschaften, tun sie das eben gerade nicht auf Kosten der Japaner. Im Gegenteil: reichere Chinesen vergrößern den Markt für japanische Produkte, chinesische Produkte vergrößern die Auswahlmöglichkeiten für japanische Konsumenten, und mehr chinesische Wissenschaftler schaffen Innovationen, die auch japanische Probleme lösen.

Eigentlich müsste ich jetzt noch auf die unsinnige Erklärung der Entwicklung von chinesischen Exporten und Importen im letzten Abschnitt des Artikels eingehen, aber dafür reicht der Platz hier nicht aus. Ich bin mir sicher, die SPIEGEL Online Redaktion bietet mir bald wieder Gelegenheit dazu.

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Der Günther Beckstein des Nordens

Bevor er am nächsten Sonntag um 18.00 Uhr irrelevant sein wird, hier noch einige Worte zu Hamburgs Regierungschef Christoph Ahlhaus. Und zwar sind mir am Wochenende bei ihm erstaunliche Parallelen mit Einem aufgefallen, der schon irrelevant ist: Günther Beckstein.

Beide sind Außenseiter: der fränkische Protestant Beckstein in München, der konservative Heidelberger Ahlhaus in Hamburg. Beide folgten langjährigen, erfolgreichen Vorgängern nach, und beide scheiterten nach kurzer Zeit. Beide haben sich nach einem einfachen Schema als innenpolitische Hardliner profiliert: Wenn der Bundesinnenminister drei Monate Vorratsdatenspeicherung fordert, dann fordert der Typus Beckstein / Ahlhaus eben sechs Monate. Wenn der Bundesinnenminister 14 Tage Freiheitsentzug ohne Haftbefehl zur Terrorismusbekämpfung fordert, dann fordert der Typus Beckstein / Ahlhaus eben 48 Tage. Etc. Beide mussten feststellen, dass diese Vorgehensweise eine leicht unzureichende Vorbereitung auf das Amt des Regierungschefs ist.

Allerdings muss man Günther Beckstein eines zugute erhalten: Es ist schwer vorstellbar, dass er seine Marga jemals ‘Fila’ genannt hat. Und falls doch, hatte er zumindest das politische Gespür, das tunlichst für sich zu behalten.

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Kim Jong-Il, Herrscher der Finsternis

Ich bin auf einen sehr erleuchtenden Post auf Bill Easterleys Blog Aidwatch gestoßen – Measuring growth from outer space. Die Methode, das BIP-Wachstum über die Veränderung des von Satelliten zu sehenden Lichts zu messen, ist an sich interessant. Richtig faszinierend ist aber die zweite Abbildung, der Vergleich zwischen Nord- und Südkorea.

Kim Jong-Il ist der Herrscher der Finsternis, auch aber eben nicht nur im übertragenen Sinn.

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Jakob Augstein, Karl Marx und die “Surplus Bevölkerung”

Von SPIEGEL Online lernen heißt Siegen lernen! Heute habe ich etwa von Jakob Augstein folgendes gelernt:

Wer länger als ein Jahr arbeitslos ist, stürzt in die wachsende Masse derer, die die Ökonomen zynisch “Surplus-Bevölkerung” nennen: die Überflüssigen.

Nun beschäftige ich mich sehr viel mit Ökonomie, und war überzeugt, dass kein marktwirtschaftlich orientierter Ökonom  jemals von so einem menschenverachtenden Unsinn wie einer “Surplus-Bevölkerung” sprechen würde. Also machte ich mich auf die Suche.

“Surplus-Bevölkerung” erzielt ganze 51 Treffer bei Google, und viele davon sind Zitate von Herrn Augsteins Artikel. Die wenigen Links zu Artikeln und Lexika zeigen aber, dass es sich um ein marxistisches Konzept zu handeln scheint. Und in der Tat, eine Suche nach “surplus population” gibt den entscheidenden Link (Heraushebung von mir):

Reserve army of labour is a concept in Karl Marx’s critique of political economy. It refers basically to the unemployed in capitalist society. It is synonymous with “industrial reserve army” or “relative surplus population“, except that the unemployed can be defined as those actually looking for work and that the relative surplus population also includes people unable to work.

Menschenverachtender Unsinn von Karl Marx – das macht natürlich viel mehr Sinn.

Eine Suche nach dem Begriff “schlechter Journalismus” erzielt bei Google übrigens 10.700 Treffer. Grund dafür sind Leute wie Herr Augstein, die versuchen, über Ökonomie zu schreiben, während sie nicht einmal Karl Marx von F.A. v. Hayek unterscheiden können.

 

 

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Amy Chua, Thilo Sarrazin und der preußische Schulmeister

Mein verspäteter Beitrag zur Debatte: Amy Chuas Buch ist seit kurzem in deutscher Übersetzung erhältlich. Somit gibt Sie uns die Möglichkeit, dem Niedergang des Westens aufzuhalten, indem wir unseren Kindern unwichtige Spielphasen und Besuche bei Freunden verbieten, und sie statt dessen zu Nachmittagskursen in Mathe, Mandarin und ‘Für Elise’ am Klavier prügeln.
Einige Anmerkungen:
1. Sehr passend, dass Thilo Sarrazin das chinesische Erziehungssystem lobt, denn ich sehe ‘The battle hymn’ als chinesisch-amerikanische Ausgabe von ‘Deutschland schafft sich ab’ (kein Link – Monetisierung hat ethische Grenzen): man wähle ein heiß diskutiertes Thema wie ‘China wins the future‘, nehme dazu eine medienwirksame Extremposition ein, und schon hat man das je nach Motivationslage gewünschte Ergebnis: Geld, Rampenlicht etc.
2. Inhaltlich halte ich das Ganze für Schwachsinn. Den positiven Effekt auf schulische und musische Leistungen will ich dabei gar nicht bestreiten. Als Vater meine ich jedoch, dass die Amy-Chua-Methode Kinder emotional vergewaltigt (s. z.B. hier). Vor allem sorgt Chua für sehr viele unglückliche Kinder, indem sie die Dimensionen des Statuswettbewerbs extrem einengt. Es gibt eben nur einen Sieger des regionalen Mathe- oder Klavierwettbewerbs. (Und Chuas Devise ist sicher ‘Second is the first loser’.) Dazu Will Wilkinson:

It’s just way better to be the world’s best acrobatic kite-surfer than the third best pianist in Cleveland. Also, the ethos of hyper-individuation is about activity/personality search and matching. It’s better to be happily
mediocre at something you love than miserably amazing at something that never quite felt right.

3. Ich bin mir nicht sicher ob Chua die chinesische oder die chinesich-amerikanische Erziehung beschreibt. Falls Erziehung in China wirklich so funktioniert, dann ist das durchaus ein Grund zur Sorge. Ein strenges Erziehungssystem, dass Disziplin und Gehorsam über die Zeit zum Selbstzweck erhoben hat, gab es schon mal:

…{Wilhelm von Humboldt} widmete den Großteil seines späteren Lebens dem Aufbau eines staatlichen Schulsystems, das dann ein Muster für die übrige Welt geworden ist. Das allgemeine Bildungsniveau, das Preußen auf diese Weise erreichte, war zweifellos eine der Hauptursachen seines schnellen Wirtschaftsaufstiegs, … Man fragt sich jedoch, ob dieser Erfolg nicht zu teuer erkauft war. Die Rolle, die Preußen während der folgenden Generationen spielte, lässt bezweifeln, ob der vielgepriesene preußische Schulmeister ein ungemischter Segen für die Welt, ja selbst für Preußen war. (F.A. v. Hayek, Die Verfassung der Freiheit)

Gepaart mit einem wachsenden Nationalstolz, der zumindest teilweise auf einem Gefühl wirtschaftlicher Überlegenheit beruhte, hatte dieses System seinen Anteil an den größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Remo Largo stellt dazu die richtige Frage:

„Welches Menschenbild streben wir an? Möchten wir mit diesem Kult um Disziplin wirklich unsere Jugend zu unselbständigen, unkreativen und komplett angepassten Menschen erziehen?“

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Der soziale Ingenieur hat’s schwör

Aus dem großartigen ‘State of Emergency – The way we were: Britain, 1970 – 1974’ von Dominic Sandbrook:

At the time, most planners saw themselves as pioneering social engineers, using the proceeds of growth to banish the cramped and insanitary slum conditions that had blighted working-class lives for generations. (S.187)

Wovon ist die Rede? Von der britischen Variante der Euphorie für Hochhaussiedlungen im ‘sozialen Wohnungsbau’ der 1960er Jahre, von MümmelmannsbergRonan Point oder dem Heuchelhof. Innerhalb von nur 5 Jahren wurden in  Großbritannien 1,5 Millionen Menschen Nutznießer dieser sozialen Innovation. Doch schon weniger als 10 Jahre später war die Euphorie verflogen:

By the early 1970, the tower block had become a powerful methaphor for the shattered ideals of the post-war consensus, associated in the public mind with grafitti, drug addiction, unemployment and crime – as well as with the arrogance of middle class planners, infected with the spirit of social engineering…” (S.190)

Hochhaussiedlungen und ebenso das zur gleichen Zeit bewunderte Leitbild der ‘Autogerechten Stadt’ sind Paradebeispiele für die Arroganz der Politik, für das Versagen von Experten (‘expert failure’), und für den unverständlicherweise heute immer noch genauso wie 1965 vorherrschenden Glauben an zentrale Planung, an die Gesellschaft als Maschine, wo der allwissende, zentrale Ingenieur nur an gewissen Schräubchen drehen muss, dann wird schon alles besser.

Auf welche grandiosen Projekte der heutigen Politik werden wir in 10 Jahren ungläubig schauen, unfähig zu verstehen, wie das einmal der Konsens sein konnte? Auf hochsubventionierte, ineffiziente Solaranlagen? Auf den Euro? Was meint Ihr?

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